Ein Besuch in der Manufaktur

Über 1.000 Handgriffe braucht es für ein Paar feinster, handgemachter Harai-Maßschuhe. Die wichtigsten Arbeitsschritte zeigt Ihnen unser kurzer Film. Wenn Sie Fragen haben oder uns gern einmal „über die Schulter“ blicken wollen, seien Sie herzlich eingeladen zu einem Manufakturbesuch. Vereinbaren Sie einfach einen Termin mit Martin Harai unter Telefon +49 4321 44839.

Erfahrung und sichere Hand: unsere Schäftemacherin

Seit 23 Jahren arbeitet Julianna Luka als Schäftemacherin für unsere Manufaktur. Ein traditionsreiches Handwerk, das ein gutes Auge, sichere Hände und viel Erfahrung verlangt, damit aus feinem Boxcalf, Cardovan oder Büffelleder der perfekte Schuhschaft wird. Julianna Luka hütet unsere wertvollen Schablonen, mit denen die Schaftteile zugeschnitten werden, schärft Nahtkanten aus und stanzt die Lochverzierungen für Brogues oder Budapester. Letzter Arbeitsschritt ist das Steppen: Alle Teile des Oberleders werden mit Futterleder zum fertigen Schaft des Maßschuhs vernäht.

ausschaerfen Brogueing

Traditionsreiches Handwerk: Ausschärfen der Lederkanten, Stanzen von Lochverzierungen

Welches Leder eignet sich für Maßschuhe?

Es gibt eine große Auswahl geeigneter Leder für Ihre Maßschuhe – von Büffel, Pferd und Ziege bis hin zu Exoten wie Eidechse, Krokodil oder Strauß. Das mit Abstand beliebteste und vielseitigste Schaftleder ist Boxcalf. Vollkommen zu Recht: Das feine Kalbsleder glänzt mit ausgezeichneten Eigenschaften. Es ist enorm reißfest (chromgegerbtes Boxcalf ist bis 600 kg pro Quadratzentimeter belastbar) und strapazierfähig, hautverträglich und atmungsaktiv. Boxcalf lässt sich hervorragend schneiden, auszacken, steppen, zwicken und polieren. Seine feine Oberfläche eignet sich für alle Schuhmodelle und Stile – vom rustikalen Brogue bis zum hochglänzenden Oxford. Ein wichtiges Qualitätskriterium ist für uns die Färbung: Sie darf nicht „geschlossen“ sein. Hat die Haut jene offene Tiefe mit natürlich-eleganter Schattierung, wird die Optik des Schafts erstklassig sein. Auch für Brand-, Zwischen- und Laufsohlen sowie Absätze verwenden wir nur die beste Qualität: Vacheleder (frz. vache „Kuh“) aus traditioneller Eichenloh- Grubengerbung – eine besonders hochwertige, wasserfeste und haltbare Basis für Ihre Maßschuhe.

lederlager

Im Lederlager der Manufaktur

Verändern Sich meine Füße im Laufe der Jahre?

Unsere Füße können sich mit zunehmendem Alter verändern. Das Körpergewicht drückt permanent auf Fersenbein und Längsgewölbe. Nimmt die Muskelkraft im Fuß ab, fällt er ein, wird breiter und länger. Ein anfangs optimal passender Schuh könnte so mit den Jahren tatsächlich unbequemer werden. Ein Harai-Maßschuh lässt sich in solchen Fällen anpassen: Ein stärker betontes Fußbett stützt gezielt das Längsgewölbe, ein partiell leicht geweiteter Schaft gibt dem Fuß mehr Raum. Einer Veränderung des Fußes lässt sich jedoch vorbeugen. Meine Empfehlung: Trainieren Sie die Muskeln im Fuß regelmäßig. Laufen Sie so oft es geht barfuß – im Garten oder im Haus. Eine kleine, wirksame Übung: Greifen Sie mit den Zehen einen am Boden liegenden Bleistift. Tun Sie dies nach Möglichkeit auch im Büro. Besonders effektiv sind Strandspaziergänge mit bloßen Füßen im weichen Dünensand: Sie stärken die wichtigen Muskelgruppen im Fuß – und das Wohlbefinden.

Leistenkorrektur

Maßarbeit am Leisten: Meister Martin Harai und Auszubildende Frederike Holzberger haben einen Kunden neu vermessen. Hat sich sein Fuß im Laufe der Zeit verändert, wird der Leisten korrigiert.

Wie werden Füße richtig vermessen?

Jeder Maßtermin beginnt traditionell mit einem Kniefall: Mit Papier und Bleistift nehme ich Ihre Fußumrisse. Entlang der Konturen werden die Fußumfänge vermerkt: Kleiner Zeh, Ballen, Spann und Ferse sind typische Messpunkte fürs Schuhmachermaßband. Bei Fehlstellungen braucht es Spannzwischenmaße, um die Form optimal zu erfassen. Jetzt folgen noch das Abtasten der Füße, Abdrücke in Trittschaum und Blaupausen der Fußsohlen. Fertig. Mehr als diese klassischen Techniken braucht es nicht. High-Tech-Scanner wären nur scheinbar überlegen. Das Geheimnis eines geeigneten Maßleistens liegt nicht in bloßer Präzision – eine 1:1-Kopie des Fußes wäre gänzlich unbrauchbar –, sondern im Wissen um Motorik und Material. Beim Maßnehmen übersetze ich die Fußform in Leder und Zwirn, Ästhetik und Wohlgefühl. Meine Empfehlung: Wir sollten Ihre Füße alle zwei bis drei Jahre neu vermessen, um auf eventuelle Veränderungen reagieren zu können.

 

massnehmen dokumente

 Maßarbeit: Fußumriß auf Papier zeichnen, Fußdokumente